Das Buch

Das Leben des Herrn Lupus G. aus E.

Es war der 12te Tag des Herbstmonats September um 06:10 Uhr im Jahre 1963 als es geschah.
Die Sonne rieb sich noch einmal die Augen und auf der Straße war ein langer Abgaswurm der sich durch die Häuserschluchten hindurch zu wälzen begann.
Betongrau glänzende Kulisse, seltsame Wesen eilten umher, es musste Sommerschlussverkauf gewesen sein. Im Mai dieses Jahres habe die  Rolling Stones begonnen Geschichte zu machen. Es sollen noch 7 Monate dauern bis sie „Jumping Jack Flash“ auf den Markt bringen. Einen Monat zuvor wurde Ludwig Erhard zum Kanzler gewählt.
Es muss ein gutes Jahr gewesen sein. Die Stadt Offenbach begann zu Leben. Im Main sangen die Fische ein Lied „Es kommt ein Stein geschwommen auf den schönen bleiblauen Wellen daher…“
Die Natur nahm seinen Lauf, ich erblickte das Licht dieser Welt… äh… nun, es war ein OP-Leuchter. Davon war ich so erschrocken, dass ich kein Wort von mir brachte. Der Hebamme war diese wohl gar nicht recht, sie verabreichte mir sogleich meine ersten Prügel. Als diese Frau feststellte, das sie mich an den Händen und nicht wie vorgesehen an den Füßen festhielt, war dies schon zu spät. Ich hatte bekam meinen Schlag dadurch nicht auf mein Hinterteil und da hatte ich meinen Schlag nun auch schon weg.
Beim durchtrennen und verknoten der Nabelschnur muss man etwas verwechselt haben, was aber mein ach so zartes Wesen von zehneinhalbe Pfund damals noch keine Bedeutung zu geschrieben hat.

Kurz danach kam ich in eine Art Zoo. Lauter kleine Zwinger für Wesen  meines gleichen, gerade groß genug um nicht toben zu können. Das war ein Geschrei. Kein Wunder, so hinter Gitter, alle, aber auch alle wollten hier raus. So auch ich, was habe ich denn verbrochen? Vor mir ein großes Schaufenster, es laufen wahre Riesen davor unruhig hin und her. Wie soll man da seine Ruhe finden? Aha hier kann man seine Eltern aussuchen! Pustekuchen, die suchen uns aus. Was, das soll mein Vater sein? Ich begann sofort an zu schreien. Jedoch schien außer der Hebamme niemand darüber erfreut zu sein.  Mein Vater wusste auch nicht so recht was er mit mir anfangen sollte. An diesem Zustand hat sich auch bis heute nichts geändert.

Ein paar Tage später sollte ich noch mehr von der Zivilisation kennen lernen. Man nahm mich von diesem unerträglichen Ort weg. Zuhause angelangt erwartete mich ein übles erwachen. Alle sprachen eine Sprache die ich nicht zu verstehen war. „Eideidei…. gille….. blapper……“. Oh Gott wie sollte ich diese Fremdsprache nur lernen.
Es erwies sich jedoch als gar nicht so schwer. Denn bestimmte Laute, besonders die ganz lauten, brachte meinen Vater in rage und meine Mutter brachte mir auch sogleich etwas zum Essen. Wiederum konnte ich mit einer energischen andauerten Stimme für Ruhe sorgen, um so meinen wohlverdienten Schlaf nachzukommen.
Meine vier Geschwister sagten immer „Kleines Schweinchen“ und mein Vater „Na du Würstchen“ zu mir, dies behagte mir gar nicht, zumal mein Vater gelernter Metzger war.

Interessant waren immer die kleines Spielchen die wir trieben. Meine Mutter stellte mir oft die Saudumme frage „Ei wo isser denn?“ und verdeckte dabei mein Gesicht so, das ich sie nicht sehen konnte. Wahrscheinlich dachte sie ein ganz tolles Spiel erfunden zu haben. Ich wusste nicht so recht wie man sich da verhalten sollte. Es dauerte nicht lange da konnte ich mich nicht mehr zurückhalten, und lachte laut drauflos. So etwas lächerliches. Wenn ihr glaubt sie wäre jetzt sauer geworden weil ich sie auslachte, nein nein, es gefiel ihr sehr. Denn wir haben immer gemeinsam gelacht.
Seltsame Wesen die Großen.
Auch meine Geschwister machten des öfteren blödsinnige Spielchen mit mir. Man hielt mir, so zum Beispiel, einen Schlüsselbund mit vielen bunten Schlüssel aus Plastik über mich und wackelten damit herum. Aber so das ich diesen Schlüsselbund nicht ergreifen konnte. So ein Blödsinn, welche Tür sollte damit geöffnet werden können? Dennoch wollte ich dieses Spielzeug nicht in den Händen der Großen wissen, den PVC ist bekanntlich nicht gerade sehr gesundheitsverträglich. Sie meinten mich damit ärgern zu können, wenn er dauernd über mich hinweg schwebte. Womit sie auch recht hatten. Ich hingegen ließ ich mir dies nicht anmerken und stattdessen lachte ich über ihre Dummheit.
Laufen sollte ich lernen, wozu? So den ganzen Tag faul herum zu liegen ist doch sehr angenehm. Man bekommt alles vor die Füße getragen. Wenn ich selbst laufen würde wäre dies alles vorbei.
Außerdem kann mir einer verraten wie man einem Bettuch um die Beine gewickelt laufen sollte. Doch blieb mir nichts anderes übrig.
Mit erpresserischen Methoden brachte man mich zum Laufen. Bei den Händen haben sie mich genommen und schleiften mich über den Teppich. Nur wenn ich in der Lage war ein paar Schritte zu machen, bekam ich meine Schmusedecke zurück. Es war eine harte Zeit. Aber meine Eltern und Geschwister haben es gut überstanden. Noch sehr wackelig auf den Beinen, behindert mit einem Betttuch ums Gesäß, begann nun der Sprachunterricht. Dies bereitete mir sehr viel Freude. Mutter redete ein paar Wörter vor die ich nachsprechen sollte. Jedoch ist sie, sowie auch meine Geschwister daran fast zugrunde gegangen. Sagte sie „Papa“, so sagte ich „Prapla“. Meine Mutter war des Wahnsinns nahe, immer wieder sagte sie „Papa, Papa, Papaaa….“. Je öfters sie es sagte, um so schwerer wurde es für sie. „Prapla“ kam nun über ihre Lippen. Worauf ich mit „Papa“ antwortete, um sie darauf aufmerksam zu machen das sie auch noch nicht richtig reden kann. Das war eine Freude.
Nun gut, laufen und reden kann ich jetzt. Das macht das Leben aber auch nicht einfacher. Wo ich sonst nur mal laut schreien musste, so muss ich nun „Bitte, bitte Mama, Hunger….“ sagen. Oder wenn ich Worte spreche die ich von meinem Bruder gelernt habe, tja dann, dann wird Mutter meist böse.
Laufen, ja das ist so eine Sache mit dem Laufen. Erst bringen sie es mir qualvoll bei, und wenn ich dann drauflos laufen will geht das Geschrei los. „Neinnn…., oh Gott, oh Gott …. nicht da hin …oh Gott oh Gott … usw…“.
Und dauernd dieses Betttuch.
Die Spielchen haben sich auch geändert. Ich spiele mit den Bauklötzen Bauarbeiter, mein Bruder spielt gleich danach Abbrucharbeiter. Jedoch war ich nie damit einverstanden.
Meine Schwester hält mir einen Apfel hin und fragt „Was issen des?“ Wenn sie es weiß bekomme ich ein Stück davon. Man, das kann ganz schön lange dauern bis sie es begriffen hat.
Sissi, unser Dackel, leckte mich ab und zu über die Backe, Papa und all die anderen Geschwister kreischen dann ganz erregt „Pfui, bähbäh, iiigitte gitt!“. Ich denke das ist Sissi, unser Dackel. Sabrina will mich auf die Backe knutschen. Ich erinnere mich! Sissi feuchte Backen, Schwester „Pfui, bähbäh, iiigitte gitt!“. Jetzt guckt sie ganz dumm, gelle hab ich mir doch gut gemerkt.

Jetzt lernte ich den kleinen Unterschied kennen. Mami und meine Schwestern sagten „pipi“ mein Bruder sagte „strullern!“. Und außerdem, wenn ich zu einer meiner Schwestern wollte, und sie war gerade im Bad, so schreien sie „Iiiiiihhhh….“. Während Papa und mein Bruder ein einfachen aber deutliches „He, raus!“ schrien.
Vater sagte eines Tages „Den müssen sie bei der Geburt verwechselt haben!“ und deutet dabei auf mich. Meine Mutter hat mich gleich in Schutz genommen und ihm widersprochen, „Kann gar nicht sein, “ sagte sie was mich freudig stimmte „dann hätte ja die Entbindung im Zoo stattgefunden.“ waren die restlichen Worte von ihr. Meine Freude war dahin.

mh… den Rest der Geschichte ist noch in Arbeit ..
bis zu meinen 70 Geburtstag will ich damit fertig sein 🙂